Marcel Jousse - Geschichte und Erben

Die Beschäftigung mit der Geste und mit der Ganzheitlichkeit der menschlichen Funktionsweise war ein Leben lang der grundlegende Antrieb für die anthropologischen und pädagogischen Studien von Jousse. Um sich vorzustellen, wie Marcel Jousse war muss man sich vorstellen, dass Jousse selbst alle seine Vorlesungen komplett auswendig vorgetragen hat. Ein Schauspieler, spielt heute Jousse als Professor, der sehr lebendig, mit ausgeprägter Mimik und mit ausladenden Gesten seine Vorlesungen ohne jede schriftliche Gedächtnisstütze hält.

Marcel Jousse wurde am 28. Juli 1886 in La petite Lardière im Département Beaumont-sur-Sarthe geboren. Mit fünf Jahren wurde er eingeschult und bekam Unterricht in Hebräisch, Aramäisch, Griechisch und Latein im Pfarrhaus von Beaumont. 1906 machte er sein Diplom in Latein, Alt-Griechisch und Philosophie. An Heiligabend 1912 fand seine Priesterweihe statt. Anschließend unterrichtete er Englisch und Bibelwissenschaften bis er von 1914 bis 1917 der französischen Armee als Leutnant im 50. Artillerieregiment von Rennes an der Front diente. 1918 wurde er als Militärausbilder nach Camp Jackson Columbia, South Carolina, versetzt, wo er in Kontakt mit Indianern und der dortigen Methode der mündlichen Überlieferung kam. Nach Kriegsende wurde er Französischlehrer im diplomatischen Dienst in Georgetown, Washington. In Jersey legte er sein Gelübde als Jesuit ab und begann an der dortigen philosophischen Fakultät zu lehren. 1922 begegnete er Gabrielle Desgrées du Loû, welche später die Musik zu seinen Rezitativen schrieb. Im selben Jahr kehrte Jousse nach Paris zurück. Im Jahr 1930 begann Gabrielle Baron als seine Sekretärin ihre Arbeit. Im darauf folgenden Jahr lehrte er sporadisch an der Universität Sorbonne, Paris. 1932 begann er dann eine Lehrertätigkeit am Institut International d'Anthropologie und hielt Vorlesungen zum Thema „Introduction à l'Ethno-psychologie du Geste.“

Im Juni desselben Jahres gründete er das Institut der Rhythmo-Pädagogik, an dem er selbst als Direktor und Gabrielle Desgrées du Loû als Direktorin fungierten. 1955 starb Gabrielle Desgrées du Loû und zwei Jahre später hielt Jousse seine letzte Vorlesung an der Sorbonne. Am 14. August 1961 starb er im Haus seiner Mutter in Fresnay-sur-Sarthe.

Gabrielle Baron, seine Sekretärin, hat die Vorlesungen alle mitgeschrieben und nach seinem Tod aufgezeichnet. Heute sind sie von der Gesellschaft Marcel Jousse  digital gespeichert. Es gibt auch etwa 80 Rezitative, die Jousse und Gabrielle Degrées du Loû hinterließen.

Institut de Mimopedagogie 2000.

Marcel Jousse hat sich ausgiebig mit den mündlichen Übermittlungsmethoden der Naturvölker beschäftigt und festgestellt, dass die mündliche Weitergabe in allen Kulturen auf 5 Säulen ruht:
  1. Wiederholungen
  2. Rhythmus
  3. Melodie
  4. wiegende Bewegung (z.B.: Wiegeschritt)
  5. Gesten

Homepage der Marcel Jousse Gesellschaft mit weiteren InformationenMarcel Jousse Gesellschaft (englisch)