Geschichtlicher Überblick

Marcel Jousse

Die Methode der mündlichen Überlieferung

Der Jesuitenpater Marcel Jousse, Gründer der Methode, war als Kind vor mehr als 100 Jahren frustriert vom Katechismus-Unterricht, in dem er die Lebendigkeit vermisste, mit der seine Mutter ihm die Evangelien der Sonn- und Feiertage, von Gesten begleitet, wiegend rezitierte. Marcel Jousse wurde fünf Jahre vor der Einführung der allgemeinen Schulpflicht geboren und verlebte seine Kindheit vorwiegend mit Menschen, die weder lesen noch schreiben konnten. Ihm wurden keine Bücher vorgelesen wie heute unseren Kindern, ihm wurden Rezitative gesungen und gespielt. Wenn wir heute von Rezitativen sprechen, denken wir an die Rezitative in der Oper oder an die geistliche Musik. In der Kunst gibt es noch diese Überbleibsel der Überlieferungsmethode, die es den Naturvölkern heute noch, aber auch unseren Vorfahren, ermöglichte, ihr Kulturgut „buchstabengetreu“ durch den Einsatz des Leibgedächtnisses von Generation zu Generation weiterzugeben. Jousse, der selbst eine umfangreiche Bildung genoss und an der Universität lehrte, hat ein Leben zwischen der Kultur, der mündlichen Überlieferung und der Kultur, die ihr Wissen in Bibliotheken speichert, geführt und seine Hinterlassenschaft legt sich wie ein Brücke über den Graben, der diese beiden Welten trennt.

Marcel Jousse (1886-1961) und Gabrielle des Grées du Lou (1880-1955) gründen und leiten das Institut für Rhythmo Pädagogik in Paris und entwickeln die Methode. Ca 80 Rezitative komponiert Gabrielle des Grées du Lou auf die Übersetzungen von Jousse.

Gabrielle Baron (1895-1986), Assistentin von  Marcel Jousse, gründet nach seinem Tod die Fondation Marcel Jousse
Unter ihren Schülern sind:

Elisabeth und Jean Ghislain d’Eudeville
wird von Gabrielle Baron die Fondation Jousse anvertraut. Mit ihnen wird daraus die Association Marcel Jousse.

Pierre Scheffer ruft innerhalb der Association Jousse die Gruppe Parole Vivante ins Leben und komponiert viele der der heute genutzten Rezitative.

Pierre Davienne 
Auf Initiative von Pierre und Geneviève Davienne (Communauté du Sappel) wird die Association Parole et Geste gegründet in der Pierre und Geneviève Mitglieder sind.

Yves Beaupérin gründet das Institut Européen de Mimopédagogie die die Arbeit des laboratoirs übernimmt.

Louise Bisson
gründet mit ihrem Ehemann Louis-Charles Lavoie die Association Canadienne du Récitatif Biblique (ACRB). Sie entwickelt eine eigene Pädagogik, die die Arbeit von Hélène Lubienska de Lenval  mit einschließt.

Bernard und Anne Frinking gründen die Fraternité St. Marc, ausgehend von ihren Erfahrungen in Indien. Die Gruppen rezitieren das Markus-Evangelium im Jahresrhythmus. Die Fraternität gehört zur Orthodoxen Kirche.

Innerhalb der Fraternität haben Jaques und Christiane Porthauld die Association Bible et Tradition Oral  gegründet, die eine eigene Arbeit macht, jedoch noch zur Fraternität St. Mark gehört.

Louise Bisson und die Pädagogik der ACRB

Methode als pädagogisches Konzept

Die junge Theologiestudentin Louise Bisson sah einen Missionar auf Heimaturlaub einen Bibeltext rezitieren und beschloss kurzerhand, alle Ersparnisse in ein Flugticket zu stecken und flog 1977 nach Paris. Sie lernte bei Gabrielle Baron in der „Fondation Marcel Jousse“ Rezitative und las die Aufzeichnungen der Vorlesungen von Jousse. 1978 zurück in Kanada in der theologischen Fakultät der Universität Laval in der Stadt Québec fragte ein Kommilitone nach ihrem Verbleiben in den vorangegangenen Monaten. Sie antwortete, sie sei in Europa gewesen und habe da die in Kanada unbekannte Methode der mündlichen Überlieferung von Bibeltexten erlernt. Der Kommilitone hatte allerdings selbst gerade das Buch, welches Gabrielle Baron geschrieben hatte, gelesen und wollte sehen wie praktisch aussieht, was er sich lesend nicht hatte vorstellen können. Daraufhin rezitierte Louise Bisson im Flur der Universität ein Rezitativ und seine Reaktion war: „Wann fangen wir an?“
2019 hat Louise Bisson einem von Ihr geschulten Team ihr Lebenswerk zur Weiteführung übergeben und sich nach 40 Jahren intensiver Arbeit vorerst ins Privatleben zurückgezogen.  

Abzweig in Mali mit Sr. Rosanne Lachance

Abzweig im französischen Polinesien mit Liliane und Teiki Frébault

Abzweig in Deutschland mit Friederike Monse Ludwig In- und auswendig, sie setzt die Arbeit auch im säkularen Bereich ein.

Ausgebildet in der ACRB von Louise Bisson haben Eliane Bouchard und Mireille Robillard die mündliche Überlieferung auf ihre eigene Art und Weise in ihrer persönlichen Mission eingesetzt.

Eliane Bouchard war innerhalb der Myriam Beth’léhem die Verantwortliche für die Arbeit mit der mündlichen Überlieferung die heute in ihrer Gemeinschaft paroles de vie heißt

Mireille Robillard ist verstorben. Sie gründete völlig unabhängig von der Association Canadienne du Récitatif Biblique die Kathechesebewegung für Kinder Les Étoiles de Marie.